Digitale Angebote der Stadtbibliotheken

Dachte ich bis vor einigen Jahren noch an Bibliotheken, dann sah ich im Kopf Bücher, Tischgruppen mit Internetterminals und Katalogkästen am Rand, mit denen man sich durch das Angebot suchen konnte. Die Internetterminals, die es auch in Internetcafés gibt, waren also in meinem Kopf das modernste, was es dort gab. Heute bieten die meisten Bibliotheken viel mehr.

Seit bald zwei Jahren bin ich Mitglied bei der Stadtbibliothek Köln, die natürlich eine sehr große Zentralbibliothek mit einer riesigen Auswahl hat. Und um das Vorurteil der Katalogkästen zu beseitigen: die Suche nach Büchern ist heute digital. Sie ist online zugänglich und auch in der Bibliothek sind die Titel einfach über Computer auffindbar. Das man die Titel online suchen kann hat einen großen Vorteil: man sieht, ob das Buch gerade verfügbar ist. Oder in welcher Zweigstelle. Und ist es das nicht, kann ich es direkt vorbestellen. Gebühren lassen sich per Paypal bezahlen oder einer Übersicht der ausgeliehenen Titel erhalte ich auch in meinem Bibliothekskonto.

Vereinfachung durch Digitalisierung

Damit ist schon deutlich: die Bibliothek hat sich gewandelt und ist heute deutlich digitaler geworden. Ich finde Titel schnell und weiß, ob sich ein Besuch lohnt, wenn ich einen bestimmten Titel haben möchte. Das Ausleihen geht einfach über RFIDs in den Büchern und mit der Bibliothekskarte und die Rückgabe ist sogar 24 Stunden täglich am Automaten möglich. Es klingt so selbstverständlich. Aber wenn ich überlege, dass ich als 12-jähriger vor der Bibliothek wartete, dass sie um 14 Uhr öffnet, damit ich Bücher zurückgeben kann, dann ist das schon ein großer Unterschied (es war eine Zweigstelle in einer Nachbarstadt und andere Zeiten).

Großes, digitales Angebot

Ihr habt schon gemerkt: ich habe wieder gefallen an der Bibliothek vor Ort gewonnen. Aber es ist noch besser, denn die meisten Bibliotheken haben auch ein großes Onlineangebot. Ich bin Nutzer der Stadtbibliothek Köln, deswegen kann ich nur die Angebote beschreiben, die mir hier zur Verfügung stehen. Aber viele davon sind auch in anderen Bibliotheken erhältlich. Aus der Vielzahl der digitalen Angebote möchte ich hier die näher vorstellen, die ich selber schon oft nutzte.

Die digitale Bibliothek mit eBooks und Co – die Onleihe

Die Onleihe ist sowas wie die digitale Bibliothek. Hier kann man sich Bücher, Magazine, Tageszeitungen, Kurse, Hörspiele und Musik ausleihen. Das Angebot ist sehr groß. Die Medien sind in Kategorien auffindbar und können auch über eine Suche gefunden werden. Neben Titeln und Beschreibungen ist auch eine Suche über die ISBN oder den Autorennamen möglich.

Die ausgeliehenen Medien sind mit einem digitalen Verfahren vor dem Kopieren geschützt. Sie können in der Onleihe-App, im Browser oder auch über „Adobe Digital Editions“ oder allen Anwendungen, die damit kompatibel sind, gelesen werden. Das funktioniert in der Regel sehr gut. Manchmal kann die Onleihe-App etwas hakelig wirken, sie fängt sich in der Regel aber schnell wieder. Das Lesen von ausgeliehenen Büchern habe ich aber mit der Zeit lieber mit PocketBook gemacht, die ich auch schon mal getestet habe.

Das analoge Ausleihen digital nachgebaut

Es gibt neben der manchmal hakeligen Bedienung der App noch zwei Punkte, die mir nicht so gut gefallen: die Ausleihebegrenzung und die Ausleihdauer bei zum Beispiel Zeitungen. Wer noch keine digitalen Ausleihen nutzte, dem sei hier kurz das Prinzip erklärt: die digitalen Medien werden dem physischen Ausleihprinzip nachempfunden. Ein Buch kann nur für eine bestimmte Anzahl gleichzeitig ausgeliehen werden. Sind alle Exemplare verliehen, muss man warten, bis die anderen Ausgaben zurückgegeben wurden. Wie in einer echten Bibliothek kann man sich für das nächste Exemplar vormerken lassen oder es selber auf einen Zettel für das nächste Mal setzen. Dazu kommt, dass die Ausleihdauer für Zeitungen und Magazine stark begrenzt ist. Die Welt kann nur für eine Stunde ausgeliehen werden. Die Wochenzeitung „die Zeit“ immerhin für 4 Stunden, aber das dürfte auch für die Zeit eher eine sportliche Lesedauer sein.

Die aktuellen Ausleihdauern sind wie folgt geregelt:

  • Ausleihen pro Nutzender Person: 12
  • eBooks Dauer:21 Tage
    eAudio Dauer:21 Tage
  • eMusic Dauer:21 Tage
  • eVideo Dauer:21 Tage
  • eMagazine Dauer:1 Tag
  • ePaper Dauer:1-4 Stunden
Ein Beispielscreenshot zu den Informationen einer Ausleihe am Beispiel der Tageszeitung "Die Welt". Im Screenshot ist zu sehen, dass 24 Exemplare vorhanden sind, die bis zu einer Stunde ausgeliehen werden können.
Ein Beispielscreenshot zu den Informationen einer Ausleihe am Beispiel der Tageszeitung „Die Welt“. Wie hier zu sehen ist, sind 24 Exemplare vorhanden, die bis zu einer Stunde ausgeliehen werden können.

Obendrein gibt es eine maximale Anzahl an Ausleihen pro Tag für ein Medium. Danach kann es erst wieder am nächsten Tag ausgeliehen werden.

Es ist grundsätzlich nachzuvollziehen, dass die Geschäftsmodelle der Urheber gewahrt werden müssen. Ich bin mir persönlich aber sicher, dass eine künstliche Verknappung niemanden so richtig glücklich macht. Ist es deswegen die beste aller Lösungen? Mein Gefühl sagt nein.

Medienmans Meinung

Trotzdem ist die Onleihe eine gute Anwendung für den Gelegenheitsnutzer. Von mir also alle Daumen hoch. Erst Recht, wenn man bereits ein Nutzer der Stadtbibliothek ist.

Zeitungen und Zeitschriften lesen mit Pressreader

Bei der Onleihe war schon herauszulesen, dass ich Zeitungen gerne entspannter lesen wollen würde. Da gibt es natürlich eine Lösung und die heißt Pressreader. Diese App ist darauf ausgelegt, Zeitungen und Zeitschriften zum Lesen zur Verfügung zu stellen. Über den Account der Stadtbibliothek sind viele interessente Zeitungen lesbar. Rheinische Post, NZZ, der Tagesspiegel, Computerwoche, Connect oder ausländische Zeitungen wie „El Pais“ oder „The Wallstreet Journal“. Im Gegensatz zur Onleihe können die verfügbaren Medien hier unbegrenzt lange und oft eingesehen werden.

Lesen kannst Du die Zeitungen in zwei Ansichten:

  • in der Zeitungsansicht, also so, wie man die Seite auch in der Zeitung liest oder
Ein Beispiel der Aritkel-Zeitungsansicht in Pressreader von der Titelseite der Rheinischen Post vom 30.04.2022.
Ein Beispiel der Aritkel-Zeitungsansicht in Pressreader von der Titelseite der Rheinischen Post vom 30.04.2022.
  • in einer Artikelansicht. Man klickt den Artikel in der Seite an und kann ihn dann also Artikel lesen.
Ein Beispiel des gleichen Artikels in der speziellen Textansicht in Pressreader-
Ein Beispiel des gleichen Artikels in der speziellen Textansicht in Pressreader-

Der Komfort ist also sehr gut. Pressreader schlägt aber aus dem gesamten Angebot auch Artikel vor, die zu einem passen. Dabei werden die Zeitschriften- und Artikelfavoriten gespeichert und darauf basierend Vorschläge präsentiert. Die Handhabung ist dabei sehr einfach. Sowohl in der App als auch im Web funktioniert alles ganz einfach und nahezu problemlos. Es gibt zwei Dinge im Komfort, die manchmal nerven:

  • Hinweise: da die Verfügbarkeit einzelner Zeitschriften über den Zugang der Stadtbibliothek erfolgen, gibt es beim Download den Hinweis, dass die Publikation eben von dieser zur Verfügung gestellt wird. Man muss diese separat weg klicken. Das kann schon stören.
  • Logout: nach einer gewissen Zeit wird der Pressreader vom Account der Stadtbibliothek entkoppelt. Es sieht dann so aus, als ob es nicht mehr funktioniert oder der Account nicht mehr freigeschaltet ist. Dann muss man sich nochmal neu über die Stadtbibliothek im Pressreader anmelden und es funktioniert wieder.

Pressreader insgesamt ist meiner Ansicht nach ganz gut

Pressreader allgemein: wenn man Pressreader nicht im Zusammenspiel mit einen Bibliotheks-Account nutzt, kann man die Zeitungen und Zeitschriften dort auch im Abo oder einzeln erwerben und lesen. Und natürlich gibt es auch Zeitschriften, die nicht zum Bibliothekszugang gehören. Für diese kann man im Pressreader ebenfalls ein Abo abschließen oder sie einzeln erwerben.

Einziger Nachteil: die App verliert manchmal die Verknüpfung zum Bibliotheks-Account. Dann muss man beide wieder miteinander verbinden. Das ist schnell machbar, aber nervt manchmal. Vor allem dann, wenn man gerade mal etwas in Ruhe lesen möchte.

Der etwas andere Streamingdienst: der Filmfriend

Es gibt auch einen Streamingdienst für Videos, mit dem man alternativ seine Couchtage und Couchabende nutzen kann: den Filmfriend. Im Großen und Ganzen ist es Videostreaming für Filme, die eher in Programmkinos gelaufen sind. Es sind schöne Perlen und auch Dokus dabei. Ich empfehle zum Beispiel die Doku „Brot“, die die aktuelle Situation um das Brot beleuchtet.

Im Filmfriend gibt es vier Oberkategorien: Filme & Serien, Kollektionen, Kids und Doku. Während Filme & Serien schon stark an die großen Dienste erinnert, wird man bei Kollektionen durch das Angebot geführt. Die Listen werden redaktionell aufbereitet. So erscheinen auch Filme in Sammlungen, die durch die aktuelle Politik wichtig geworden sind.

Screenshot: Ein Beispiel für eine Filmauswahl aus aktuellem Anlass beim Filmfriend. Hier mit den Sammlungsüberschriften „Das Sojetreich: Es war einmal ein Imperium“, „Frieden“, „Willkommen“ und „Europa als Chance“.

Der Filmfriend hat eine große Auswahl an Filmen. Die Übersicht erinnert an die bekannten Streamingdienste. Aber man muss sich auch etwas Zeit nehmen selber zu erkennen, was man sich ansehen möchte. Es gibt immer wieder Perlen. So lassen sich auch Filme von den Filmfestspielen ansehen. Für Filmfans fast schon ein Geschenk um von der Couch aus ein wenig „Berlinale“-Feeling zu bekommen. Dabei sind zum Beispiel folgende Filmfestivals:

Damit man einfacher suchen kann, gibt es den Filmfriend auch als App. Der ganze Filmkatalog lässt sich vor auf der Couch einfach entdecken und die Film per Chromecast oder via Airplay auf den TV streamen. Es kann auch eine Watchlist gepflegt werden. Für Reisen kann auch ein Film auf das Gerät geladen werden. Die Videoqualität lässt sich auch einstellen, damit die Internetverbindung nicht zu sehr belastet wird. Die Infos zu den Empfangsmöglichkeiten gibt es beim Filmfriend. Die App für iOS und für Android kann man direkt in den Stores runterladen.

Fazit zum Angebot der Stadtbibliotheken

Das war nur ein kleiner Einblick in das große Angebot der Stadtbibliotheken. Ich habe hier speziell den Fokus auf der Stadtbibliothek Köln gehabt, weil ich dafür einen Zugang habe. Viele der Dienste sind aber bei vielen Stadtbibliotheken verfügbar. Ich habe einige Dienste nicht vorgestellt, weil es einfach sehr viel ist. Wenn dieser Artikel gut ankommt, würde ich auch einen zweiten Teil schreiben.

Fehlt Dir ein Dienst? Hast Du sie schon einmal benutzt? Und welchen nutzt Du am häufigsten oder gefällt Dir am besten? Schreib es gerne in die Kommentare.